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IntraMural

  • 19. Juni 2024

    11. Mai 2022

    Ich habe gerade die Definition von Folter in meiner Kiwix (abgespeckte und veraltete Form der Wikipedia) gelesen. Hier ein Auszug:

    Folter (auch Marter oder Tortur) ist das gezielte Zufügen von psychischem oder physischem Leid (Gewalt, Qualen, Schmerz, Angst, massive Erniedrigung) an Menschen durch andere Menschen, meist als Mittel für einen bestimmten Zweck, beispielsweise um eine Aussage, ein Geständnis, einen Widerruf oder eine Information zu erhalten oder um den Willen und den Widerstand des Folteropfers (dauerhaft) zu brechen.

    Im engeren Sinne ist Folter eine Tat einer bestimmten Interessengruppe (beispielsweise Teile der staatlichen Exekutive oder politisch-militärische Organisationen) an einem Individuum, etwa durch die historische Inquisition, die Polizei oder Geheimdienste. Laut der UN-Antifolterkonvention ist jede Handlung als Folter zu werten, bei der Träger staatlicher Gewalt einer Person „vorsätzlich starke körperliche oder geistig-seelische Schmerzen oder Leiden“ zufügen, zufügen lassen oder dulden, um beispielsweise eine Aussage zu erpressen, um einzuschüchtern oder zu bestrafen“.[1] Schmerzen oder Leiden, die sich lediglich aus gesetzlich zulässigen Sanktionen ergeben, sind ausgenommen.

    Die Staatsanwaltschaft hat die Polizei damit beauftragt, mich vierundzwanzig Stunden bei mir zuhause auf dem Sofa per Video und Audio zu überwachen. Dabei haben sie mich bei allem gefilmt, was man so tut zuhause auf dem Sofa. Sie haben alles gesehen, was ich im Internet angeschaut habe, sie haben mich beim Masturbieren beobachtet, sie haben mich auch dabei beobachtet wie ich zwei Mal fast gestorben wäre, als ich eine Überdosis Drogen zu mir nahm. Sie haben meinen Besuch gefilmt. Sie haben meine Kinder (damals, w 9 Jahre, m 14 Jahre) gefilmt, wie sie sich vor dem Duschen ausgezogen haben und nach dem Duschen wieder angezogen haben. Das ganze haben sie über einen Zeitraum von ca. eineinhalb Jahren gemacht. Wobei ich gelegentlich auch illegale Sachen gemacht habe, wie zum Beispiel Drogen gewogen und verpackt. Sie haben persönliche Gespräche zwischen mir und meinem Vater, meinen Kindern, meinen Freunden und meiner Exfrau belauscht. Sie haben mitgeschaut, wie ich mit meinen Chatpartnerinnen erotische Fantasien ausgetauscht habe. Nicht selten führten die auch zu sexuellen Handlungen. Sie haben über einen sehr langen Zeitraum alles, was ich gemacht und gesagt habe aufgezeichnet. Angefangen haben sie damit, als ich erst auf die schiefe Bahn geriet. Also hatte ich noch kaum etwas verbrochen. Hätten sie mich damals gestoppt, wäre ich mit einem Klaps auf den Hintern davongekommen. Was sie aber stattdessen machten, ist unglaublich. Sie haben mich unterstützt, indem sie einen V-Mann engagierten, der für mich Drogen verkaufte. Ich vermute stark, dass sie mich auch durch Polizeikontrollen und Grenzübergänge schleusten, um mich nicht am Drogenverkauf zu hindern. Damals hatte ich noch das Gefühl, die Polizei sei da, um die Gesellschaft vor den „schlechten“ Konsequenzen von Drogen zu schützen. Wie naiv ich doch war.

    Aus diesen Erfahrungen kann ich eigentlich nur schliessen, dass es bei dieser ganzen Ermittlung einzig und allein um die höchstmögliche Strafe für mich ging. Natürlich sagen die Behörden, sie hätten an die Hintermänner gewollt, doch damals hatte ich noch keine Hintermänner. Ich habe mir alles, während die Überwachung lief, aufgebaut. Also waren sie hinter den Hintermännern her, die ich in Zukunft haben werde. Da hätten sie mich aber nicht dazu gebraucht, die hätten sie auch selber finden können. Vielleicht auch nicht. Wenn sie zwei Jahre brauchen, um einen Kleindealer zu einem Kriminellen zu machen, sind sie vielleicht doch nicht so schlau. Als die Überwachung anfing, hatte ich ca. ein halbes Kilo Kokain in meinem Besitz. Es wurde mir auf Kredit geliefert. Ich wäre kaum ins Gefängnis gekommen. Ich hatte ja kaum was verkauft und ich habe kräftig konsumiert. Während der Überwachung habe ich dann über 10kg Drogen gekauft und zum Teil verkauft und sehr viel konsumiert.

    Was war das Ziel der jahrelangen Überwachung?

    An die Hintermänner zu kommen?

    Ich hatte noch keine Hintermänner und kein Netzwerk, ich hatte mir das während der Überwachung aufgebaut.

    Um die Gesellschaft zu schützen?

    Sie habe mich während der Überwachung mehr als zwanzig Mal mehr Drogen verkaufen lassen, obwohl sie mich jederzeit hätten stoppen können.

    Wären Drogen wirklich so gefährlich wie sie mir weismachen wollen, oder hätten sie irgendjemanden beschützen wollen, dann hätten sie sie wohl nicht selbst an hunderte Endkunden verschickt. Sie hätten mich nicht ein ganzes Netzwerk aufbauen lassen und mich dabei aktiv und passiv unterstützt.

    Statistisch gesehen hat die Hälfte der an meinem Verfahren beteiligten schon einmal Drogen konsumiert, und ein paar waren während der Ermittlungen high. Also fickt euch mit eurem heuchlerischen Getue!

    Um mich zu schützen?

    Haha. Dann hätten sie wohl nicht zwei Überdosen, massive Schmerzen und den Absturz mitverfolgt, ohne auch nur das geringste zu unternehmen. Sie hätten mich bei meiner Suche nach Hilfe unterstützt und mich nicht erniedrigt und meine Krankheit nicht ignoriert, nur um mich anschliessend für, wie der Bulle Herr Wayne (zum Zwecke der Einschüchterung) gesagt hat, zehn Jahre „hintere tue“. Natürlich ist das nicht protokolliert, er schiesst sich ja nicht ins eigene Bein.

    Um meine Kinder zu schützen?

    Und dabei Kinderpornos zu drehen, zum Vergnügen des Teams? Wirklich?

    Um an die Kohle zu kommen?

    Ich habe sämtliche Profite wegkonsumiert.

    Um die organisierte Kriminalität zu zerschlagen?

    Ich habe ja alles unter den Augen und dem Schutz der Behörden aufgebaut.

    Um die Effizient und das Ansehen der Polizei und der Staatsanwaltschaft zu fördern?

    Eine lange Haftstrafe für einen Einzelnen ist besser für das Image der Behörden und rechtfertigt die massiven (Überwachungs-) Massnahmen und das Budget dafür.

    Um die ihre Arbeitsplätze zu sichern?

    Wären illegale Drogen so legal die legalen Drogen (Opiate, Alkohol, Nikotin, Koffein, usw.), bräuchte es die Hälfte aller Staatsanwälte und die Hälfte der Polizei nicht mehr. Natürlich haben die Interesse daran, diese „bösen“ Drogen verboten zu lassen. Wären Drogen wirklich so schlimm, warum vertreibt die Polizei sie dann selber? Natürlich gibt es Einzelschicksale die mit Drogen in ihr verderben stürzen, aber die meisten gehen am Verbot der Drogen zu Grunde. Zum Beispiel im Gefängnis, wenn sie nach dem Gefängnis keinen Fuss mehr fassen können, in Bandenkriegen, oder durch die Gesundheitsschädigungen bei der Herstellung wegen schlechten Arbeitsbedingungen. Wegen der Kriminalisierung durch Not der zum Anbau gezwungenen Bauern und natürlich die Kriminalisierung der Konsumenten. Es gibt noch ganz viele andere Gruppen, die unter dem Verbot leiden.  

    Um Geld zu machen?

    Mit einer Legalisierung der Drogen würden massive Geldflüsse versiegen. Da verdienen eine Menge Leute eine Menge Kohle. Auch Staatsanwälte, Richter, Polizisten, Politiker und Anwälte, ja auch in der Schweiz. Und nicht „nur“ durch Bestechung und Schweigegeld. Obwohl viele Milliarden Euro, Dollar und Franken in die Staatskassen fliessen würden, würde man das Verbot kippen, würde es massiv Widerstand geben, da einige der „Guten“ nicht mehr in Überfluss leben könnten.

    Warum sind Drogen illegal, obwohl man inzwischen wissenschaftlich fundierte Kenntnisse darüber hat, dass eine Legalisierung fast ausschliesslich nur positive Wirkung zeigen würde?

    Wieder ein Auszug aus der Kiwix:

    Nutzung zu Genuss- und Rauschzwecken

    Legale und illegale Drogen werden in weiten Teilen der Bevölkerung zu nichtkultischen und nichtmedizinischen Zwecken genutzt. Hierbei wird meist eine Intensivierung oder Veränderung des Erlebens, teilweise auch ein Rauschzustand angestrebt. Viele Kulturen pflegen traditionell einen geregelten kulturellen Gebrauch bestimmter Drogen, in westlichen Ländern etwa das Trinken von Alkohol. Die Einbindung der Droge in die Gesellschaft senkt bedeutend das Risiko von Abhängigkeit, welche sich bei entsprechender persönlicher Veranlagung und Lebenssituation sonst unbemerkt von der Umgebung ausbilden könnte. In Deutschland gibt es dennoch etwa 1,5 bis 2,5 Millionen Alkoholkranke.[22]

    Die größte Wahrscheinlichkeit eines ersten Kontakts mit Drogen besteht im Jugendalter, wobei Alkohol und Cannabis mit Abstand am verbreitetsten sind. Nur ein sehr geringer Teil von Erstkonsumenten geht dabei zu einem regelmäßigen Konsum über.[23]

    Um wieder auf den Punkt der Folter zurückzukommen, warum sind solch massive Massnahmen notwendig, wenn nicht zur massiven Verängstigung und Erniedrigung des Angeklagten. Sie lassen dich wissen, dass sie dich beim Wixen beobachtet haben. Sie lassen dich wissen, dass sie die Muschi deiner Frau und deiner Freundin gesehen haben und sie sich jederzeit wieder ansehen können (und sicher auch tun). Sie lassen dich wissen, dass sie Nacktvideos von deinen Kindern haben. Sie lassen dich wissen, dass sie wissen worauf du stehst, welche politische Meinung du vertrittst, und handeln danach. Zum Beispiel bin in kein Fan des Feminismus. Ich bin ein Fan der Gleichberechtigung. Verstanden wird das nur selten und deshalb rede ich selten darüber, aber zuhause auf meinem Sofa lass ich mich schon mal darüber aus. Danach haben die weiblichen Polizisten mich in die Wartezelle gebracht und mich spezifisch auf die Tatsache hingewiesen, dass ich nun in der Gewalt zweier Frauen sei und sie die Macht haben mich einzusperren. Obwohl mir scheissegal ist ob mich Frauen oder Männer einsperren. Die Tatsache dass sie mich einsperren ist ja wohl beschissen genug, oder?

    Ich war 578 Tage in Untersuchungshaft. Untersuchungshaft heisst vor allem: Kein Kontakt zur Aussenwelt. Jeglicher Kontakt wird überwacht und aufgezeichnet. Man kann mit niemandem über seine Probleme, Gedanken und Ideen reden. Das reden mit dem Anwalt soll nicht überwacht werden. Wir müssen das einfach glauben. Ein Pfarrer steht auch zur Verfügung. Kein Austausch mit Familie und Freunden. Kein Wort über Emotionen und Kämpfe die man innerlich kämpft und die man normalerweise mit jemandem teilen würde. Es ist totale Isolation. Man hat Mitgefangene, aber auch denen ist nicht zu trauen. Was man in dieser Zeit lernt, ist, niemandem zu trauen und bloss alles für sich zu behalten. Das macht natürlich krank. Es geht fast nicht mehr ohne Drogen. Es ist einfach kaum auszuhalten. Dann kommen noch die Ärzte, die denken, sie haben eine Ahnung, was sie da tun. Sie geben dir alles, nur nicht das, wovon du weisst, dass es dir hilft. Also der PPD (Psychiatrischer, Psychologischer Dienst) ist eine Qual und ein Kampf, den ich niemandem wünsche. Diese Menschen sollte man wirklich für ein Jahr einsperren, und ihnen das gleiche geben wie das, was sie uns geben wollen. Wenn das keine Folter ist, dann muss die Menschenrechtskommission Folter falsch definiert haben.

    Der letzte Satz des Kiwix Auszugs heisst:

    Schmerzen oder Leiden, die sich lediglich aus gesetzlich zulässigen Sanktionen ergeben, sind ausgenommen.

    Ein typischer Satz aus einem Gesetzbuch. Man kann ihn Interpretieren und auslegen, wie es einem gefällt. Er löst alles, was vorher geschrieben stand, wieder auf.

    In solchen Fällen trifft dann der Grundsatz „Gegen juristische Argumente hat man mit gesundem Menschenverstand und Logik keine Chance.“ wieder einmal voll ins Schwarze.

  • 16. Mai 2024

    10. Mai 2022

    Die Rückfallquote bei Straftätern ist bei rund 80% (78% in Deutschland, Kiwix). Dazu kommt noch die Dunkelziffer (nicht registrierte Delikte) von Schätzungsweise 10-15%. Da bleiben noch ca. 5%, bei denen die Resozialisierung funktioniert hat. Ich nehme an, dass das die im Gefängnis verstorbenen Personen sind. Man kann also mit gutem Gewissen sagen, Resozialisierung und Reintegration funktionieren NICHT, mit anderen Worten: Strafen sind Rache oder Vergeltung für Menschen, die nicht derselben Ansicht sind wie anderer Menschen. Ist irgendjemand in der Geschichte der Menschheit jemals erwischt und bestraft worden und hat daraus etwas gelernt? Ausser sich nicht erwischen zu lassen? Vermutlich nicht.

    Resozialisierung setzt ja voraus, dass man vorher asozial war. In der Haft wird man dann sozialisiert. Ich war also 47 Jahre asozial, dann wurde ich kriminell und jetzt werde ich sozial. Gut wurde ich kriminell. Wer weiss was da noch alles hätte passieren können?

    Um das klar zu stellen: Ich verabscheue Diebe, Betrüger und Gewalttäter. Trotzdem, einsperren ist keine Lösung. Ich weiss, warum es nicht funktioniert, ich weiss auch, was funktionieren könnte. Ich weiss es aber nicht mit Sicherheit, natürlich nicht. Es wurde ja noch nie probiert. Hier ein paar Vorschläge:

    Erst mal müsste die Untersuchungshaft auf drei Monate limitiert werden. Nur in Extremfällen wird ein Antrag auf Verlängerung der Untersuchungshaft bewilligt und auch dann nur um maximal drei weitere Monate. Das gäbe den Insassen innert nützlicher Frist die Möglichkeit, wieder mit der Welt zu kommunizieren, ihre Geschäfte zu erledigen und ihre Beziehungen zu pflegen. Ich war 20 Monate in Untersuchungshaft und ich konnte keine Abos mehr bezahlen, wie z.B. mein iCloud Konto, auf dem ich fast 10 Jahre an Erinnerungen habe. 20‘000 Fotos. Die, nebenbei erwähnt, alle von der Polizei gesichtet wurden, was eine absolute Frechheit ist und den Selbstwert senkt und den Hass schürt. Die Würde des Menschen ist zu achten, ha… Arschloch! Ich weiss nicht, ob ich die noch habe. Ich weiss nicht ob, die gelöscht werden. Ich hatte seit nunmehr 23 Monaten keinen Zugriff mehr aufs Internet. Ich widerhole die Passwörter, die ich noch kenne, regelmässig in meinem Kopf, um nicht noch mehr zu verlieren.

    Da wären wir auch schon beim nächsten Punkt. Man sollte die Möglichkeit haben, sich selbst um Dinge zu kümmern. Sagen wir mal so: das wäre dann fast so wie im richtigen Leben. Wenn man niemanden hat, der die Sachen erledigen kann, dann verliert man sein ganzes Leben. Job, Geschäft, Wohnung, Haus, Familie, Freunde, Partner, einfach alles was einen zu einem sozialen Wesen gemacht hat. Warum heisst es eigentlich Resozialisierung, wenn es doch in Wirklichkeit eine Entsozialisierung ist? Man sollte eine Kreditkarte haben. Man sollte sie regelmässig laden können, um seinen Verpflichtungen nachkommen zu können. Man müsste Zugriff auf das Internet haben. Von mir aus beschränkt oder begleitet. Hauptsache, man kann seine Sachen erledigen.

    Wie wäre es, wenn man nach der Haft Aussicht auf ein lebenswertes Leben hätte? Sagen wir mal, man würde im Knast etwas lernen, das man draussen anwenden kann, um sich finanziell abzusichern? Ich meine jetzt nicht die Angebote, die es bereits gibt und die zweifellos hilfreich sein können. Leider oft nur für junge Leute, oder Menschen mit sehr langen Haftstrafen. Bei letzteren ist fraglich, ob das wirklich sinnvoll ist.

  • 8. Mai 2024

    09. Mai 2022

    Die kleinen und nicht so kleinen Schikanen:

    Es soll sowas wie eine limitierte Anzahl für Sexheftli geben. Obwohl ich mehrere Male nachgefragt habe, konnte ich bis jetzt die genaue Anzahl der erlaubten Magazine nicht in Erfahrung bringen. Ich wurde über den Inhalt befragt, und ob Penetration und Körperflüssigkeiten abgebildet seien. Ich musste definieren was pornographisches Material ist und was nicht dazu zählt. Ich bin mir nicht ganz sicher weshalb sowas relevant ist. Ich bin achtundvierzig Jahre alt und die Wärter sind auch in meinem Alter oder noch etwas älter. Ich kann mir nur schlecht vorstellen, dass sie Pornhub, xHamster und Porntube nur aus den Medien kennen. Die Regeln werden willkürlich gemacht und die Anfragen sind Glücksache. Je nachdem wen man fragt ist es möglich, oder eben nicht.

    Die Begründung für die bedingte Zusage bzw. Absage waren die Rechtsgeschäfte, die sie hier so unheimlich fürchten. Man könnte das Magazin ja an einen Mitinsassen ausleihen. Ja, das kann man tatsächlich. So fucking what?! Man lebt hier so Weltfremd wie auf einem anderen Planeten, nur dass man pausenlos bevormundet, kontrolliert und zurechtgewiesen wird obwohl, das nur in den allerwenigsten Fällen notwendig wäre.

    Es gibt hier tatsächlich Leute, bei denen eine erzieherische Behandlung angemessen ist. Ich allerdings habe sehr wahrscheinlich mehr erlebt und gesehen als jeder einzelne Wärter hier. Ich bin seit bald zwanzig Jahren selbstständig und ich habe in dieser Zeit nur ein paar Monate Lohn bezogen. Die Leute hier haben noch nie für sich selbst gearbeitet, sie haben ihr Leben lang Lohn bezogen.  Und dann wollen sie mir vorschreiben, wie viele Sexheftli ich haben darf, da es ja scheinbar ein fiktives Limit gebe. Ausserdem kann ich ja die Alten abgeben und mir dann Neue besorgen.

    Übrigens, ich weigere mich, die Angestellten hier als Aufseher zu bezeichnen. Wärter ist viel treffender. Es gibt keinen Unterschied zwischen einem Zoowärter und einem Gefängniswärter. Zwei Mal täglich wird das Essen „iegeh“, man wird eine Stunde in das Gehege gelassen, dann Arbeit und wieder zurück in den Stall. Man wird mit dem Viehtransport vorgeführt, was sich nicht wesentlich von dem Gefühl des Viehs auf dem Weg zum Schlachthaus unterscheidet. Ausserdem bin ich überzeugt, dass Menschen auf die Strasse gehen würde, um Tiere vor so einer Behandlung zu bewahren. Bei Menschen ist das egal, das sind ja alles böse Jungs, die es verdient haben nicht nur im Knast zu sein, sondern auch so behandelt zu werden. Es gibt hier ein paar böse Jungs, aber ich habe nur wenige kennen gelernt. Die bösen Jungs sind eigentlich meistens die blöden Jungs, und mit blöd meine ich nicht nur dumm, also ungebildet, ich meine auch die die unfähig sind zu reflektieren; die, die alle Schuld nur bei den andern sehen und psychopatische sowie narzisstische Züge aufweisen. Meist gewalttätige Menschen, wie vorher beschrieben.  

    Wiedereingliederung:

    Hier wird man unfähig gemacht. Man lernt wie man nirgendwo ausser im Knast überleben kann. Wir haben kein Bargeld, wir dürfen keinen Handel betreiben, wir dürfen unsere Fähigkeiten, unsere Eigenschaften, unsere Kreativität nicht umsetzen, um sinnvolle Projekte, Aufgaben und Arbeiten auszuführen, in die Wege zu leiten und vielleicht dann draussen davon zu leben. Wäre doch mal ein Ansatzpunkt, wenn es doch um Resozialisierung gehen soll. 

    Viele Leute hier können nicht mit Geld umgehen. Wir haben ein Taschengeld (ja, genau wie Kinder) von CHF 320.—, das wir im Kiosk ausgeben können. Viele Leute haben schon nach zwei Wochen kein Geld mehr. Und das, obwohl wir alles bekommen, was wir zum Leben brauchen. Wir haben Essen (naja, man kann davon Leben, aber es schmeckt beschissen), wir haben eine Unterkunft, wir haben sogar Kleider, die man uns zur Verfügung stellt. Alles, was wir brauchen, ist: Mückenschutz, Ventilator, Wecker, Kaffee, Radio, Schuhe und wer noch raucht, Zigaretten. Vielleicht hie und da mal Früchte oder Schokolade oder Gewürze. Mir reichen CHF 200.—pro Monat problemlos. Ich schreibe jeden Rappen auf, ich habe Exceltabellen für alles. Ich weiss, wieviel ich gejogged bin, wieviel ich wiege, wie lange ich schon hier bin und wie lange ich schon im Knast verweile. Ich weiss sogar, wie oft und wie lange ich Ping Pong spiele. Wäre das nicht etwas, was man den Leuten, die das wollen und brauchen, mitgeben könnte? Ich meine die Fähigkeit ein Budget zu erstellen und seine Finanzen im Griff zu haben? Ich würde mich auch anbieten, um Kurse zu geben.

    Ich habe aufgehört zu rauchen. Genaugenommen habe ich im Gefängnis nach ca. sieben Jahren Abstinenz wieder angefangen und nach fast zwei Jahren wieder aufgehört. Ich möchte mich gerne zum Nichtrauchercoatch ausbilden lassen und dann hier Kurse geben, um den Leuten beim Aufhören zu helfen.

  • 2. Mai 2024

    07. Mai 2022

    Man wird hier zum unselbstständigen Kind gemacht. Man muss für alles fragen. Es heisst, dass ja eigentlich das Eingesperrtsein die Strafe sein soll und dass es unnötig ist, uns mit Schikanen zusätzlich zu Strafen. Die Realität sieht aber ganz anders aus: Es geht hier nur darum, zu schikanieren und uns zu zeigen, dass wir unter den Uniformen stehen. Ich empfand das im Limmattal weniger deutlich als hier. Natürlich war es dort auch so, aber es gab ein paar Mitarbeiter, mit denen es ganz angenehm war.

  • 2. Mai 2024

    01.5.2022

    Der typische Gewalttäter: Gross, stark, laut, mit dem IQ eines Schneeballs. Einer davon hat gerade meinen Tischtennisschläger kaputt gemacht und ich bin selber schuld. Er hat mich schon genervt, als ich noch mit ihm spielte, dann bin ich davongelaufen und habe dummerweise den Schläger nicht mitgenommen. Zwar habe ich daran gedacht, aber ich wollte nicht das Spiel der anderen versauen. Naja, ich wollte mal wieder nett sein. Ich werde es schon noch lernen. Hier habe ich die Möglichkeit. Sei ein Arsch. Die Hauptlektion des Gefängnisses.

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